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Buzzword Digitalisierung

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Anscheinend wird einmal wieder in der IT eine neue Sau durchs Dorf getrieben mit dem Buzzword Digitalisierung. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Thema und prüft, inwieweit der Begriff für neue Herausforderungen in der Informationstechnologie steht oder doch nur kalter Kaffee aufgekocht wird.

Obwohl ich schon seit drei Jahrzehnten in der IT tätig bin, kann ich diese ganzen Buzzwords, die so gerne verwendet werden, überhaupt nicht leiden. Meiner Erfahrung nach wissen die Wenigsten deren Bedeutung. Sie klingen meist recht imposant und man suggeriert Kompetenz, wenn man so viele wie möglich in seinen Sätzen einfliessen lässt. Ich verwende meistens nur sehr wenige solcher Begriffe, kann dafür aber jeden einzelnen Begriff auf Nachfrage auch erklären.

In diesem Jahr kamen mehrere Projektanfragen herein zur sogenannten Digitalisierung. Obwohl ich den Begriff kenne, habe ich vorsichtshalber immer nachgefragt, was genau damit gemeint ist. Und – wie erwartet – wichen die Erklärungen meist stark von meinem Verständnis ab. Daher versuche ich in diesem Artikel zu durchleuchten, was sich heute so alles unter dem Begriff oder Buzzword Digitalisierung so alles verbirgt.

Doch zunächst ein paar Worte zu dem Titel dieses Artikels. Ich ließ mich dazu inspirieren von einem Artikel der Hypovereinsbank mit dem Titel „Digitalisierung – 10 Buzzwords, die Sie kennen sollten“. Darin beschreibt der Autor – wie der Name des Titels schon andeutet – 10 Buzzwords, die man im Umfeld des Themas Digitalisierung kennen sollte.

Unter Digitalisierung versteht man üblicherweise die Umstellung von analogen Medien (Dokumente, Photographien, Filme, Tonaufnahmen) in digitale Formate (elektronische Datenspeicher). Also kann man die Erfassung von Texten vom Papierformat in den Computer als die erste Stufe der Digitalisierung sehen, was seit den 90er Jahren mit Hochdruck getan wird. Später ebenso die digitale Speicherung von Musik in Formaten wie OGG, MP3 und von Bildern als JPEG (dies sind nur Beispiele für eine ganze Reihe von Formaten, die ich hier nicht alle aufführen will).

Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass diese Art der Digitalisierung in weiten Teilen abgeschlossen ist. Was ist also heute damit gemeint, wenn von Unternehmen oder auch Politikern von Digitalisierung gesprochen wird?

Nun, der dahinterstehende Gedanke ist wohl die sogenannte digitale Revolution oder auch die vierte industrielle Revolution. Die erste industrielle Revolution war die Mechanisierung durch Wasser- und Dampfkraft, gefolgt von der Massenfertigung mit Fließbändern. Die dritte Revolution war dann im letzten Jahrhundert die Computerisierung und damit die Automatisierung von Arbeitsabläufen mit Hilfe der Informationstechnologien. Die nun folgende vierte Revolution kann man mit dem Begriff Autonomisierung umschreiben. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz werden Abläufe mehr von Maschinen eigenständig ausgeführt werden. Der Mensch – so bleibt zu hoffen – wird mehr zum Kontrolleur der Maschinen mutieren.

Nein, hier geht es nicht um Utopien. Wir müssen uns nicht zwischen einer roten und einer blauen Pille entscheiden. Und ich gehe auch nicht davon aus, dass die Maschinen eines Tages die Weltherrschaft übernehmen werden.

Aber, wir müssen uns mit der Realität abfinden. Die weitere technologische Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Es werden weitere althergebrachte Berufsbilder verschwinden und es werden neue entstehen.

Die Schnittstellen zu Computersystemen werden sich noch weiter entwickeln. Anfangs verwendeten wir noch Lochkarten, um mit dem Computer zu kommunizieren. Dann gab es Tastaturen, danach Zeigegeräte wie Mäuse und Zeichenpads. Jetzt haben wir kapazitative Bildschirme, auf denen wir mit den Fingern Befehle an den Computer senden können. Die Spracherkennung wird immer leistungsfähiger und genauer. Die virtuelle Realität ist auch schon am Durchstarten. Und demnächst wird die Holographie in unseren Alltag einziehen.

Es gibt bereits heute ein beeindruckendes Einsatzgebiet in der Medizin. Es wird ein menschliches Gehirn gescannt und aus dem Scan ein Hologramm des Gehirns projiziert. Chirurgen können damit eine Gehirn OP simulieren und mögliche Risiken einschätzen, bevor sie tatsächlich den Schädel des Patienten öffnen. Das ist keine Science Fiction, sondern bereits heute Realität.

Das Internet der Dinge wird noch viele Anwendungsgebiete erzeugen. Schon heute arbeitet man an der Hausautomation. Man steuert elektrische Geräte, überwacht mit Webcams sein Zuhause oder gibt Befehle über z.B. Alexa per Sprachsteuerung ein.

In nicht allzu ferner Zukunft könnten ältere oder körperbehinderte Menschen per Virtual Reality in einem Supermarkt einkaufen, ohne das Haus verlassen zu müssen.

Die meisten Unternehmen sind da allerdings noch weit von einem sinnvollen Zukunftsszenario entfernt. Im Moment geht es um die richtigen Weichenstellungen. Was ich bislang an Ideen mitbekommen habe, ist noch nicht sehr ausgereift. Es müssen erst einmal einige sinnvolle Konzepte erarbeitet werden.

Natürlich müssen auch gewisse Risiken gesehen und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, damit die neuen Technologien nicht mißbraucht werden. Dahingehend sehe ich es mit gemischten Gefühlen, wenn heute Politiker von der Digitalisierung sprechen. Dieselbe Technologie, die zu nützlichen Hilfsmitteln verwendet werden kann, ist auch gleichzeitig der feuchte Traum eines politischen Systems, die eine totale Überwachung der Bürger im Sinn hat.

Es bleibt spannend, wie sich die Technologien weiter entwickeln und als Informatiker freue ich mich natürlich zu sehen, wie man diese für den eigenen Beruf nutzen kann.

Meinungen zum Buzzword Digitalisierung gerne im Kommentarbereich! ;-)

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